Workshop VII | Bernhard Mayr (Bielefeld)


»Haft und Strafe als Chance«

Eine drohende oder bereits bestehende Verurteilung zu einer empfindlichen Strafe als Chance zu bezeichnen mag für die/den Betroffene/n meist einen unangenehmen vielleicht sogar ironischen anklingenden Beigeschmack entfalten. Der Gesetzgeber verfolgt damit jedoch nicht nur das Ziel einer schuldangemessenen Bestrafung und Wiedergutmachung (soweit möglich).

Eine Freiheitsstrafe soll nach dem Strafvollzugsgesetz (§2) sogar vorrangig dem Ziel der Resozialisation dienen. In der Arbeit mit straffälligen Menschen, die oftmals eher am Rand der sozialen Gesellschaft leben, drängt sich in dieser Situation die Möglichkeit auf, Ihnen Unterstützung bei der Wiederannäherung anzubieten. Gerade die Grundüberzeugungen und Überlegungen des CRA zielen in diesem Sinn über »positive Verstärkung im sozialen Bereich« auf Veränderungen bei Betroffenen. Vor allem – aber nicht nur - in den Angeboten für Menschen mit einer Suchtproblematik erscheint das Konzept nutzbar.

Der Workshop richtet sich an alle Interessierten und soll unter Bezugnahme auf das CRA-Konzept die Möglichkeit bieten, über Vorgehensweisen und Erfahrungen zu dieser Idee zu berichten. Inhaltliche Stichpunkte hierzu betreffen bereits die Kontaktaufnahme, beinhalten eine zunächst notwendige »Standortbestimmung« der/des Betroffene/n, eine Klärung bzw. Entwicklung der Motivation zu weiteren Schritten und der hierzu notwendigen Unterstützung. Auch Beispiele können besprochen werden. Vielleicht gelingt dabei auch durch Austausch und gemeinsame Überlegungen ein Beitrag zu einer Weiterentwicklung im Einzelfall.

Bezug genommen werden soll auch auf die Bielefelder Situation, die glücklicherweise durch das Bestehen des »Netzwerks Soziale Strafrechtspflege Bielefeld« gekennzeichnet ist. Hierdurch sind einzelne Akteure oder Institutionen nicht mit den Betroffenen und deren Schwierigkeiten alleine gelassen bzw. ge- oder sogar überfordert.

Vielleicht gelingt es in diesem Workshop mit diesen Überlegungen, mögliche Vorgaben (Weisungen bzw. Auflagen) des Gerichtes nicht als »Zwang zum Glück« aufzufassen, sondern diese als flankierende Maßnahmen für die oben angesprochenen Chancen einzuordnen und die Betroffenen hierdurch zu unterstützen.

Dr. med. Bernhard Mayr
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
Forensische Fachambulanz Bethel

Gadderbaumer Str. 31
33602 Bielefeld

Tel.: 05 21 - 772-787 40
E-Mail: bernhard.mayr@evkb.de