9. CRA-Kongress 2019 in Bielefeld

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Am 21. und 22. März 2019 fand im Assapheum in Bethel unter dem Titel „Sind Süchtige krank?“ der 9. Kongress für gemeindeorientierte Suchttherapie statt.

Die über 300 TeilnehmerInnen aus der gesamten Bundesrepublik wurden für Ihr Kommen mit strahlendem Sonnenschein und einem interessanten Programm belohnt. Thomas Reuster, Chefarzt der Psychiatrischen Klinik in Görlitz, verstand es, die Geschichte des Suchtbegriffes bis in unsere Zeit anschaulich zu erläutern. Sven Speerforck aus der Uni in Greifswald nahm die Stigmatisierung Suchtkranker zum Ausgangspunkt, um die aktuelle Konzeptionalisierung des Suchtbegriffes infrage zu stellen. Ute Peters schilderte im Interview mit Nina Meseke in einer bewegenden Darstellung ihrer eigenen Suchtgeschichte, wie wichtig es ist, niemals aufzugeben und Leute um sich zu haben, die die Hoffnung nicht aufgeben. Schließlich hat Franjo Grotenhermen, niedergelassener Arzt aus Rüthen und treibende Kraft bei der Legalisierung von Cannabis als Medizin in Deutschland, für einen pragmatischen Umgang mit dieser bislang noch weitgehend illegalisierten Substanz geworben, um die positiven Wirkungen auch denen verfügbar zu machen, die Cannabis als Medizin für psychiatrische Störungen verwenden.

In den Workshops am Nachmittag wurden in 10 verschiedenen Workshops einzelne Themen weiter vertieft. Der Workshop von Jessica Wagner aus Berlin zum fetalen Alkoholsyndrom musste krankheitsbedingt ausfallen. Am folgenden Freitag eröffnete Rüdiger Holzbach aus Arnsberg mit Unterstützung von Annette Fornalczyk den zweiten Vortragsblock mit dem Thema Medikamentenabhängigkeit. Gemeinsam machten beide deutlich, wie groß die Verantwortung der verordnenden ÄrztInnen ist. Torsten Passie aus Hannover warb in seinem feurigen Vortrag dafür, den therapeutischen Nutzen von psychotropen Substanzen wie LSD oder XTC offener zu diskutieren und für geeignete Patientengruppen, z.B. für psychotherapeutische Prozesse bei Menschen mit todbringenden Erkrankungen, nutzbar zu machen. Natalia Smilowski, Psychologin aus der LWL Klinik in Dortmund mit russischen Wurzeln, vermittelte dem aufmerksamen Publikum einen Einblick in die russische Seele und machte deutlich, mit welchen Behandlungserfahrungen wir uns in Deutschland vertraut machen müssen, wenn wir mit suchtkranken Menschen aus den postsowjetischen Ländern zu tun bekommen. Martin Reker hat schließlich in seinem Abschlussvortrag dafür geworben, die subjektive Sichtweise der Suchtkranken bei der Behandlungsplanung noch stärker in den Blick zu nehmen, den aktuellen Krankheitsbegriff weniger absolut zu setzen und Lebensbedingungen für suchtkranke Menschen mehr so zu entwickeln, dass ein Leben ohne oder mit weniger Suchtmitteln tatsächlich attraktiver wird als ein Leben im Rausch.

Die Organisatoren des Kongresses bedanken sich für viele positive Rückmeldungen. Die Themen und ihre ReferentInnen ließen auch bei kontroversen Themen ausreichend Raum, sich eine eigene Meinung zu bilden. Auch das gemeinsame Essen im Restaurant „Glückundseligkeit“ am Vorabend der Tagung und der Gesellschaftsabend in der „Hechelei“ am folgenden Tag gaben Gelegenheit für Diskussionen und eine schöne Zeit miteinander.

Eine Gelegenheit zum Wiedersehen wäre der 10. Kongress für gemeindeorientierte Suchttherapie am 6. und 7. Mai 2020 am Krankenhaus Königin Elisabeth zu Herzberge in Berlin. Wir freuen uns auf Sie!

Unterschrift Dr. Reker

Dr. Martin Reker                            Prof. Dr. Martin Driessen

VGP-Vorsitzender und  Ltd. Arzt      Chefarzt Klinik für Psychiatrie
Abt. Abhängigkeitserkrankungen     und Psychotherapie Bethel