Implementierung von CRA in der Suchtberatung

Referenten: Ivonne Krause und Jochen Bickel

Der flächendeckende  Aufbau von Suchtberatungsstellen für den Bereich der legalen Suchtmittel (Alkohol) begann in Deutschland in den späten 1960er Jahren. Die Arbeit mit Abhängigkeitskranken war in ihren Anfängen noch stark lebensweltorientiert. Auf die Ermächtigung zur Durchführung medizinischer Rehabilitationsmaßnahmen (ambulante Entwöhnungsbehandlungen) durch Rentenversicherung und Gesetzliche Krankenversicherung folgte in den 1980er Jahren eine zunehmende Symptomorientierung.

Die Bereitstellung multiprofessioneller Teams und die Verbesserung der suchttherapeutischen Fort- und Weiterbildung brachten zwar sehr gute Behandlungsergebnisse bei abstinenzmotivierten und beruflich sowie sozial integrierten Klienten, barg aber die Gefahr der Ausgrenzung nicht abstinenzmotivierter und schwerstabhängiger Menschen aus dieser Form des Hilfesystems in sich. Die tief in den Köpfen verankerte Annahme vom »Persönlichen Tiefpunkt« (Krankheitsverlauf nach Jellinek) und die Übernahme des populärwissenschaftlichen Konzeptes der »Co-Abhängigkeit« (Wilson-Schaef) unterstützten diese Entwicklung. Überspitzt könnte man sagen, dass mit zunehmender Schwere der Abhängigkeitserkrankung die Wahrscheinlichkeit fachkompetente Hilfe in einer Suchtberatungsstelle zu erhalten eher sank.

Der Community Reinforcement Approach bietet Kollegen der ambulanten Suchthilfe die Möglichkeit, einen evidenzbasierten, konsequent klientenzentrierten und gemeindeorientierten Behandlungsansatz zur Versorgung Suchtkranker in der täglichen Arbeit anzuwenden. Verhaltenstherapeutisch konzipiert können sich Mitarbeiter unterschiedlichster »therapeutischer Orientierung« mit ihm identifizieren und eine gemeinsame Grundhaltung in der Begegnung mit ihren Klienten entwickeln. Die Arbeit mit dem CRA - Handwerkszeug einerseits und die Optimierung von Schnittstellen in der Kommune andererseits machen Spaß und öffnen die Tür auch für Klienten, die traditionell seltener Anbindung an eine Beratungsstelle finden (wenn z.B. das Hauptanliegen nicht Abstinenz sondern ein neues Hüftgelenk ist). In Zeiten knapper finanzieller Ressourcen und vor dem Hintergrund, dass auch Suchtberatungsstellen zunehmend auf dem Prüfstand stehen, bietet sich in der Implementierung des Community Reinforcement Approach die Chance, ein umfassendes und zeitgemäßes Hilfeangebot für Abhängigkeitskranke im ambulanten Setting bereitzustellen.

Am Beispiel einer klassischen Suchtberatungsstelle (Alkohol) wird zunächst der teils schwierige und noch andauernde Prozess der Implementierung des Community Reinforcement Approach in die tägliche Arbeit dargestellt. Wir möchten mit Teilnehmern ins Gespräch kommen, unsere Arbeit kritisch beleuchten und die  Vorteile, aber auch die Grenzen des Community Reinforcement Approach in der ambulanten Arbeit mit Suchtkranken herausarbeiten. Wir wollen insbesondere darüber nachdenken, inwieweit dieser Behandlungsansatz um konsumtolerierende Aspekte erweitert werden könnte, ohne die Abstinenzorientierung aufzugeben.