CRA für Fortgeschrittene: Paartherapie

Referent: Johannes Heuer

Paartherapeutische Behandlungen haben in der deutschen Suchtkrankenbehandlung wenig Tradition. Unter dem Einfluss des Coabhängigkeitskonzeptes werden Angehörige und PartnerInnen von SuchtpatientInnen oft dahingehend beraten, sich vom betroffenen Patienten mehr zu distanzieren. Die Suchtkranken selbst reagieren darauf mit Misstrauen den Paargesprächen gegenüber und meiden das paartherapeutische Setting.

Der Community Reinforcement Approach wählt den Zugang anders. Familie und Partnerschaft werden als wichtige Ressource betrachtet. Wenn Paare und Familien mit Suchtproblematik sich entscheiden, es noch einmal zusammen versuchen zu wollen, unterstützen die CRA Therapeuten sie dabei, zu einem für alle Beteiligten zufriedenstellenden Zusammenleben zu kommen. Abstinenz des Suchtpatienten, häufig verbindlich gemacht durch eine verbindlich gemachte Einnahme von Disulfiram, gehört in der Regel dazu, seltener umschriebene Konsumabsprachen. Das Antabuscoaching durch PartnerInnen oder andere Familienmitglieder sowie die partnerschaftliche Zufriedenheitsskala sind die wichtigsten Arbeitsinstrumente im Paar- und Familiensetting, Elemente aus dem CRA-FT Konzept können ergänzend einbezogen werden.

Im Workshop sollen konkrete Erfahrungen im Umgang mit dem paartherapeutischen Konzept i.R. des CRA vorgestellt und ausgetauscht werden. Erfahrungen mit aversiven Substanzen i.R. des geschilderten Procederes, die Einbeziehung von anderen Akteuren im Netzwerk (z.B. Jugendamt oder ambulante Eingliederungshilfe) und der Umgang mit den vielen seelischen und körperlichen Verletzungen auf Seiten des Partners und der Familie aus früheren Konsumphasen des suchtkranken Familienmitgliedes können Bestandteil der gemeinsamen Diskussion sein können.