CRA-Kongress 2015 - Vortrag Ralf Stöcker

»Darf man Suchtkranken helfen, Partner zu finden, Kinder zu bekommen und Auto zu fahren? Zur Rolle von Risiken und Nebenwirkungen beim Umgang mit dem selbstverantworteten Leben anderer Menschen.«

Ein zentrales Element der CRA-Behandlung bildet die Unterstützung der Patientinnen und Patienten bei der Erlangung wichtiger persönlicher Lebensziele in ihrem sozialen Umfeld (vgl. Lange, Reker, Driessen 2008). Dazu werden gezielt Fertigkeiten (skills) vermittelt, die die Patienten in die Lage versetzen sollen, diese Ziele zu erreichen, z.B. einen neuen Partner oder eine Partnerin zu finden, ein Kind zu bekommen oder den Führerschein zurück zu erlangen.

Diese Hilfen sind ethisch gesehen Teil der Suchtbehandlung und also insofern gerechtfertigt, als sie nachweislich ein taugliches Mittel zur Abstinenz darstellen können und zudem mit der aufgeklärten Einwilligung der Patienten (informed consent) durchgeführt werden. Da allerdings viele der persönlichen Lebensziele auch andere Menschen betreffen, ergibt sich aus ethischer Sicht das Problem, inwieweit die möglichen Konsequenzen für Dritte, vor allem für die potentiellen Partner, die Kinder und die anderen Verkehrsteilnehmer in die ethische Bewertung einfließen müssen.

Könnte es nicht sein, dass die Partnerschaft scheitert, das Kind leidet, Unfallopfer verletzt werden? Und wenn ja, was folgt daraus für die Legitimität der ärztlichen Hilfe im Rahmen des CRA? – In dem Vortrag soll versucht werden, dieses Problem im Rückgriff auf die Frage zu lösen, wo eigentlich die Verantwortung der Therapeutin bzw. des Therapeuten liegt.

Prof. Dr. Phil. Ralf Stoecker
Abteilung Philosophie
Universität Bielefeld

Universitätsstraße 25
33501 Bielefeld

Telefon: 05 21 - 106 45 83
E-Mail: Ralf Stoecker