Nachbetrachtung zum 5. CRA-Kongress 2015 in Bielefeld

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

den diesjährigen Kongress haben wir unter das Motto gestellt: »Von den Chancen und Risiken, auf Suchtkranke zu vertrauen: Suchttherapie als Hilfe zur Selbstverwirklichung«.

Ausgangspunkt der Überlegung waren die Lösungswege, die Suchtkranke sich selbst erarbeiten, um dem eigenen Leben eine positive Wendung zu geben. Der therapeutische Auftrag soll nun darin bestehen, von den Betroffenen zu lernen und im Vertrauen auf die Patienten neue Lösungen für die bestehenden Probleme zu finden.

Zu Beginn der Tagungswoche haben sich 3 Hauptreferenten wegen Krankheit abmelden müssen. Den Vortrag von Hrn. Hurrelmann wurde von seinem langjährigen Weggefährte Herr Settertobulte übernommen. Den Vortrag von Frau Schmitz-Remberg übernahm Frau Jana Wand und als Ersatzmann für Hrn. Batra aus Tübingen bin ich selbst eingesprungen.

Der von Frau Schmitz-Remberg nach Programmerscheinen angekündigte Workshop über Gruppentherapie musste ausfallen. Schließlich musste auch noch Herr Salize aus Mannheim wegen des Bahnstreikes während der Tagung sein Kommen absagen, sodass sein Workshop ebenfalls nicht stattfinden konnte. Frau Mucha hat nach ihrem Vortrag zum Thema Beschäftigung für Suchtkranke dankenswerter weise spontan einen weiteren Workshop angeboten, in dem ihr Hauptvortrag nachbesprochen werden konnte.

So bedauerlich die kurzfristigen Ausfälle waren, so wurden alle Stellvertretungen vom Auditorium dankbar und wohlwollend aufgenommen. Der »Rote Faden« im Programm konnte so beibehalten werden und die angekündigten Themen angemessen zur Diskussion gestellt werden.

Zu den Hauptvorträgen selbst: H.-J. Rumpf hat einleitend eindrückliche Zahlen präsentiert, in welch eindrucksvoller Weise viele alkoholkranke Menschen aus eigener Kraft und ohne professionelle Hilfe die Suchterkrankung unter Kontrolle bringen. Carmen Mucha hat demonstriert, welche unglaublichen Handlungsmöglichkeiten in der ambulanten Ergotherapie liegen, um kreative Beschäftigungsmöglichkeiten für suchtkranke Menschen zu schaffen, den Alltag wieder selbst in die Hand zu nehmen.

Wolfgang Settertobulte hat als Gesundheitswissenschaftler deutlich gemacht, in welcher Weise Umgebungsfaktoren wie das Wohnumfeld junge Menschen im Umgang mit Suchtmitteln beeinflussen und welche Schutzfaktoren nutzbar gemacht werden müssen, um präventiv wirksam zu sein. Schließich habe ich Beobachtungen zur Diskussion gestellt, in welcher Weise schwere Erkrankungen und Todesgefahr die Haltung Suchtkranker zum Rauschmittel beeinflussen.

Der zweite Tagungstag wurde von dem Philosophieprofessor Ralf Stoecker eingeleitet, der zur Frage der Verantwortung des Therapeuten für negative Begleiteffekte gut gemeinter Interventionen Stellung nahm, z.B. Verkehrsopfer von betrunkenen Fahrern, die über eine CRA-Therapie beim Wiedererwerb ihres Führerscheins unterstützt wurden. Ähnlich könnte sich die Frage stellen, wenn die therapeutische Unterstützung über den CRA dazu führt, dass suchtkranke Eltern wieder das Sorgerecht für ihre Kinder zurückerhalten, ihrer Verantwortung dann aber doch nicht gerecht werden können und die Kinder schaden nehmen.

Die beiden zuletzt genannten Themen wurden in Vorträgen von Sybille Fuhrmann, Oberärztin aus Schwerin, zum Thema Führerschein und von Jana Wand, Fachkrankenschwester aus Bielefeld, zum Thema Sorgerecht für drogenabhängige Eltern aus der klinischen Perspektive beleuchtet. Schließlich hat Car-Ernst von Schönfeld die besonderen Lebensbedingungen von suchtkranken Menschen in Haft anschaulich gemacht und um Unterstützung geworben, insbesondere im Umfeld der Haftentlassung alles zu tun, um beim Wiedereinstieg in ein möglichst geordneteres Leben in Freiheit behilflich zu sein. Die Workshops haben Gelegenheit gegeben, diese Themen noch weiter zu vertiefen.

Besonderen Anklang haben dieses Jahr nicht nur die Vorträge und Workshops gefunden, sondern auch das Vorabendprogramm mit Geschichten und Klavierstücken von Franz Liszt, dargeboten von Frau Wagner und Hrn. Ebert aus Chemnitz sowie der Gesellschaftsabend mit Darbietungen des Bielefelder Sprachkünstlers Heinz Flöttmann und der Sängerin Anna Suzuki in Begleitung des Pianisten Nils Rabente.

Alle Hauptvorträge sind auf Video dokumentiert und werden nun nach und nach bearbeitet und ins Netz gestellt. Die Referenten haben ihre Powerpointpräsentationen bzw. Vortragstexte zur Verfügung gestellt oder das zumindest angekündigt, sodass die Tagungsinhalte auf unserer Internetseite bald gut dokumentiert vorliegen werden.

Wir bedanken uns noch einmal bei allen 200 Teilnehmern und hoffen, viele davon auch beim 6. Kongress für gemeindeorientierte Suchttherapie in Viersen/Mönchengladbach vom 13. bis zum 15. April 2016 wiederzusehen.

Mit herzlichem Gruß !

Unterschrift Dr. Reker

Dr. Martin Reker                            Prof. Dr. Martin Driessen

VGP-Vorsitzender und  Ltd. Arzt      Chefarzt Klinik für Psychiatrie
Abt. Abhängigkeitserkrankungen     und Psychotherapie Bethel