Workshop: Sucht und tiergestützte Behandlung

Umgang mit Tieren als Sinnstiftung in der Arbeit mit Abhängigen

Referentinnen:

Corinna Delore - Plön
Kooperation zwischen Suchthilfe und Tierschutz: Chronisch suchtkranke Bewohner stationärer Hilfen als Unterstützer eines Gnadenhofes für alt gewordene Tiere.

Björn Zillmer und Sabine Urban - Bielefeld
Die Bedeutung des Hundes im Umgang mit suchtkranken Klienten am Beispiel eines Therapiehundes im Akutbereich einer Suchtabteilung der Versorgungspsychiatrie.

Downloads zum Workshop:
S. Urban und B. Zillmer: Sucht und tiergestuetzte Behandlung >>
Definition: Tiergestützte Therapie >>
Heimtierhaltung – Chancen und Risiken für die Gesundheit >>

Seit langem ist bekannt, dass Tiere eine positive, fördernde und oftmals heilsame Wirkung insbesondere auf Menschen mit gesundheitlichen Störungen bzw. Einschränkungen haben. In vielen Bereichen der Humanmedizin liegen Daten vor, welche für die Wirksamkeit tiergestützter Interventionen sprechen.

Es kann angenommen werden, dass besonders Patienten mit Abhängigkeitserkrankungen von tiergestützten Maßnahmen profitieren können, da sie aufgrund ihres Störungsbildes oftmals gravierende Einschränkungen des Sozialverhaltens zeigen und häufig in einem schwierigen sozialen Milieu leben. Entsprechend halten viele substanzabhängige Menschen selbst ein Tier.

Es erscheint wahrscheinlich, dass dieses ihnen Verlässlichkeit, Sicherheit und Geborgenheit bietet, welche in ihrem menschlichen Umfeld fehlen. Wichtige und effektive Voraussetzungen für den Einsatz von Tieren im therapeutischen Setting stellen die Beziehungsaspekte zwischen Mensch und Tier dar.

Die unmittelbar gefühlte Verbundenheit zum Tier und dessen unverfälschte analoge Kommunikation kann besonders für suchtkranke Menschen eine emotionale und soziale Unterstützung bedeuten, da es ihnen ggf. aufgrund ihrer Erkrankung nicht (mehr) oder nur eingeschränkt möglich ist, emotionale Nähe zu anderen Menschen zu entwickeln.

„…dass mir der Hund das Liebste ist…“

Welche Bedeutung der Umgang mit einem Hund für suchtkranke Klienten im Akutbereich einer Suchtabteilung in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Bethel hat, möchten wir im ersten Teil des Workshops anhand der Erfahrungen mit unserer Therapiebegleithündin „Lotta“ aufzeigen.

Praxisnah wollen wir mit den Teilnehmern gemeinsam erarbeiten, welche Voraussetzungen im Hinblick auf alle Beteiligten für die Durchführung tiergestützter Therapieangebote erfüllt sein sollten, welche positiven Wirkungseffekte hierbei zu erwarten sind und wie man diese ggf. evaluieren kann. „Lotta“ selbst wird uns bei dem Workshop tatkräftig unterstützen.

 

„…Vereinsamt, introvertiert, menschenscheu...“

Im zweiten Teil des Workshops stellen wir das „Gnadenhof – Projekt“, eine Kooperation zwischen dem Suchthilfebereich und dem Tierschutz, vor.

Menschen mit einer chronischen Suchterkrankung ziehen sich sehr oft zurück. Wir glauben einen Weg gefunden zu haben, wie die Bewohner unserer Einrichtung allmählich wieder Vertrauen fassen und Freude erleben dürfen: Auf einem Gnadenhof für Tiere.

In Godau - direkt am Plöner See, sind wir willkommen - Pferde, Hunde, Ponys, ein Ochse, Schaf und Esel, von den Kleintieren gar nicht zu reden.

"Über das Tier zurück zum Menschen!" Mit Hilfe tiergestützter Therapie suchterkrankten Menschen eine sinnvolle Aufgabe geben, verschüttete Ressourcen wiederentdecken, Nähe ohne Zurückweisung erfahren, Freude und Lachen, den Kreislauf des Lebens wiederentdecken…

Die Gruppe auf dem Gnadenhof ist noch ein Projekt, erfährt aber großes Interesse und Zustimmung, was bei allen Beteiligten die Hoffnung auf eine fest installierte Beschäftigung weckt!

Es gibt viel zu tun.