Arbeitsfeld Arbeit

Ablauf Symposium Arbeit und Sucht (Literaturhinweise)

14.00 Uhr  Begrüßung und kurze Vorstellung der Inhalte (Daniel Müller)
14.10 Uhr  Lotsenprojekt Thüringen - Frank Hübner
14.45 Uhr  Einführung in die Kurzvorträge zum Thema:
                  Unterstützung bei der Arbeitsaufnahme - Regina Butenschön

15.00 Uhr  Kurzvorträge
             -     Hilfeplanerin/ Ambulante Wohnbetreuung
             -     Fallmanagerin/ Jobcenter Arbeit plus
             -     Klinische Sozialarbeit / Klient

15.45 Uhr  Pause
16.15 Uhr  Diskussion (Dr. Niels Pörksen)
16.50 Uhr  Resümee und Abschluss (Dr. Niels Pörksen)
17.00 Uhr  Ende des Symposiums

Wenn die Navigation des Lebens versagt …
Lotsennetzwerk in Thüringen hilft Suchtkranken bei der Orientierung

Kennen Sie das auch? Sie sitzen im Auto, fahren (ohne Navigationsgerät) durch eine für Sie fremde Stadt und merken mit der Zeit, dass Sie sich im Kreis bewegen. Sie haben die Orientierung verloren und freuen sich über einen ortskundigen Menschen, der Sie aus dem Chaos hinausgeleiten kann.

Suchtkranke Menschen bewegen sich manchmal sehr lange im Kreisverkehr, weil sie die Orientierung verloren haben und nicht wissen, welche Ausfahrt sie ansteuern sollen. In dieser Situation kann es hilfreich sein, einen »Steuermann« oder eine »Steuerfrau« zu finden, der oder die bei der Ortbestimmung mithilft und die jeweilige Person dabei unterstützt, die Route vom festgefahrenen Weg zu verlassen.

In Thüringen gibt es für Menschen mit Alkohol- und Drogenproblemen zwar vielfältige Unterstützungsangebote zur Wiedergewinnung der Orientierung, jedoch haben immer noch viele Suchtkranke Hemmungen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und schaffen es auch nicht von allein, die Abhängigkeit zu überwinden. Der Kreisverkehr zwischen dem Zuhause und der Akutklinik, in der immer wieder Entzüge stattfinden, scheint keine Ausfahrten zu haben.

Diese Lücke im Netzwerk erkennend griff die Suchtreferentin für Selbsthilfe des Fachverbandes Drogen und Rauschmittel e.V., Marina Knobloch, bereits 2008 die aus Brandenburg stammende Idee eines Lotsennetzwerkes auf und konzipierte ein Thüringer Modell. Der damalige Geschäftsführer der Brandenburgischen Landesstelle für Suchtfragen e.V., Claus Niekrentz, unterstützte von Anfang an die Umsetzung seiner Idee in Thüringen.

Wer oder was sind Lotsen? Lotsen sind Sucht erfahrene Menschen, die andere Suchtkranke oder deren Angehörige auf dem Weg aus der Sucht für eine bestimmte Zeit begleiten und ihnen dabei helfen, die »rettende Ausfahrt« aus dem Kreisverkehr oder das »rettende Ufer« auf stürmischer See zu erreichen. Lotsen sind Unterstützer, keine Retter. Sie sind freiwillig und überwiegend ehrenamtlich tätig. Sie arbeiten mit dem Personal der Kliniken zusammen und beraten dort Patienten in der kritischen Anfangsphase unmittelbar nach dem Klinikaufenthalt. Diese Phase ist vor allem deswegen problematisch, weil Alkohol-Rückfälle hier besonders oft vorkommen und dann z.B. den Weg in eine therapeutische Behandlung verbauen. 

Aus einer Idee wurde Wirklichkeit. Mittlerweile begleiten 63 geschulte »Steuermänner und –frauen« als Lotsen in Thüringen ca. 33 Hilfe Suchende und schließen mit dem Netzwerk eine Lücke in der Versorgung Suchtkranker. Unterstützung findet der Fachverband Drogen und Rauschmittel e.V. bei der AOK PLUS in Thüringen und der Aktion Mensch, die unter anderem seit dem 1. April 2009 den Einsatz des Projektleiters, Frank Hübner, finanziert. Viel gibt es für ihn zu tun: Kliniken und Suchthilfeeinrichtungen für ein Netzwerk gewinnen, Lotsen finden, Schulungen und Praxisbegleitungen organisieren und durchführen, »Lotsenpflege« betreiben, Selbsthilfegruppen zum Mitmachen motivieren, Geldgeber gewinnen, die Öffentlichkeit informieren. Der Projektleiter ist für das Funktionieren des Netzwerkes verantwortlich. Das geht nur, wenn in ihm Lotsen tätig sind, die an ihrer Aufgabe wachsen und nicht zerbrechen. Das geht auch nur dann, wenn die agierenden Partner den Hilfe Suchenden im Blickfeld haben und nicht die scheinbare Konkurrenz, die dem anderen den Patienten wegnehmen will. Und schließlich geht es nur, wenn ein Projektleiter vorhanden ist. Die Förderung der Aktion Mensch läuft 2012 aus. Was dann? Das Netzwerk braucht einen Navigator, um es am Laufen zu halten.  

Das Lotsennetzwerk in Thüringen ist erfolgreich: Es ist neben vielen anderen Hilfeeinrichtungen und –maßnahmen ein weiteres Angebot für Menschen, bei denen die »Navigation des Lebens« (vorübergehend)  versagt hat. Vielleicht benötigt der Akku nur ein wenig Energie, um wieder einen Empfang zum System herzustellen. Möglicherweise liegt die Störung aber auch im System selbst. Je früher diese Menschen erreicht werden, umso größer sind die Chancen, die Orientierung im Kreisverkehr wieder zu erlangen und rechtzeitig die Ausfahrt zu erwischen.  Dadurch können Unfälle bzw. Folgekrankheiten, die für die Betroffenen und Angehörigen viel Leid und für die Gesellschaft enorme Kosten verursachen, vermieden werden. Das Lotsennetzwerk nimmt niemandem Patienten oder Klienten weg, sondern erreicht neue, die dann in das Suchthilfesystem und die Suchtselbsthilfe aufgenommen werden können. Es unterstützt den Einzelnen dabei, sein Leben wieder selbst zu navigieren und ein Ziel anzusteuern.

Unterstützung bei der Arbeitsaufnahme - Regina Butenschön
In der Suchtkrankenhilfe stellt Arbeitslosigkeit ein dominierendes Problem dar, weil vielen Menschen mit Alkohol-, Medikamenten- und Drogenproblemen durch die Arbeitslosigkeit Struktur und Sinnstiftung im Alltag fehlt. Zugleich besteht bei der Arbeitsberatung und -vermittlung häufig das Problem, dass Suchtprobleme der Klienten erahnt oder gewusst werden, gleichzeitig aber wenig Möglichkeiten bestehen, den Umgang mit diesem Problem konstruktiv in die Arbeitsvermittlung einzubeziehen. Häufig wird das Suchtproblem zum entscheidenden Vermittlungshindernis.

Im Workshop wird ein Kooperationskonzept vorgestellt, dass arbeitsmotivierte Klienten mit Suchtmittelproblematik adäquat in ihrem Wunsch, in das Arbeitsleben zurück zu finden, unterstützt. Gleichzeitig sollen die suchtspezifischen Hilfen zur Verfügung gestellt werden, die die Menschen benötigen, um den Ansprüchen des Arbeitslebens genügen zu können.

Literaturhinweise:

Arbeitslosigkeit und Sucht
Dieter Henkel, Uwe Zemlin (Hrsg)
Ein Handbuch für Wissenschaft und Praxis 

CRA- Manual zur Behandlung von Alkoholabhängigkeit
Robert J. Meyers, Jane E. Smith
Erfolgreicher behandeln durch positive Verstärkung

Handbuch Sucht und Arbeit
Arbeitshilfe für das Schnittstellenmanagement
Modellprojekt FAIRE
Frietsch/Holbach/Link (Hrsg)