Symposium CRAFT

Angehörige von Suchtkranken weisen eine erhöhte Rate stressbedingter Erkrankungen auf. Die Belastungen sind besonders gravierend, wenn der suchtkranke Angehörige keine aktuelle Änderungsmotivation aufweist, was bei der Mehrzahl der Betroffenen der Fall ist. Auf Grundlage des Co-Abhängigkeitskonzeptes wurde und wird Angehörigen vermittelt, keinen Einfluss auf das abhängige Verhalten ausüben zu können.

Das bedeutet zugleich für Angehörige ohne Trennungsambitionen, vor einer chronisch belastenden Situation kapitulieren zu müssen. Es ist aber zugleich bekannt, dass Druck durch Angehörige bei vielen Alkoholabhängigen in Behandlungseinrichtungen einen entscheidenden Schritt dargestellt hat, eine Behandlungseinrichtung aufzusuchen. So ist es nur naheliegend, außerhalb des Hilfesystems wirksame Ressourcen in die Behandlung zu integrieren.

Unter der Bezeichnung »Community Reinforcement and Family Training« CRAFT wurde in den USA ein individualisiertes, nicht-konfrontatives Behandlungskonzept für Angehörige von Suchtkranken entwickelt, das nach einer Meta-Analyse zu den wirksamsten Interventionsansätzen im Bereich der Suchtkrankenhilfe zählt und dessen Umsetzung im Aktionsplan Alkohol 2008 der DHS ausdrücklich empfohlen wird.

Angehörige gelten nach dem CRAFT-Ansatz als optimale Partner für die Suchtkrankenhilfe, da sie über ein profundes Wissen über den Substanzabhängigen, ein hohes Maß an Kontakt und meist einen ausgeprägten Leidensdruck verfügen.

Ziel der Intervention ist es, neben der Verbesserung der Lebensqualität der Angehörigen den Suchtkranken in eine Behandlung zu überführen. Dies erfolgt durch aktives Engagement der Angehörigen gegen Ende der Behandlung. Angehörige lernen während der Behandlung durch Veränderungen des eigenen Verhaltens und direkte Ansprache, für den Suchtmittelabhängigen den Verstärkerwert abstinenten Verhaltens gegenüber Konsumverhalten zu erhöhen. Hierfür werden Angehörige ermutigt, negative Konsequenzen des Suchtverhaltens nicht mehr abzumildern und vorhandene gesunde Verhaltensalternativen des Abhängigen gezielt zu verstärken. Die praktische Umsetzung wird mit den Angehörigen konkret geplant und in Rollenspielen eingeübt.

CRAFT ist ein Trainingsprogramm, welches in Einzelsitzungen folgende Inhalte behandelt:

  • Motivierungsstrategien für Angehörige
  • Auslöser und Konsequenzen des Konsumverhalten verstehen
  • Funktionale Verhaltensanalyse
  • Gewaltpräventive Strategien
  • Verbesserung der kommunikativen Fertigkeiten
  • Nutzung positiver Verstärkung
  • Nutzung negativer Konsequenzen
  • Strategien zur Verbesserung der Lebensqualität des Angehörigen
  • Motivierung des suchtmittelabhängigen Angehörigen, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Die einzelnen Bausteine werden dabei nicht statisch abgearbeitet, sondern entsprechend der individuellen Bedürfnisse durchgeführt. 

In dem Vortrag werden die einzelnen Bausteine des CRAFT-Ansatzes vorgestellt.